Von Paris kommend hat der Besucher auf der Autobahn Richtung Süden nur 115 km zurückzulegen, um sich bei Sens ins Burgund zu begeben.
Wer von Lyon her kommt, erreicht nach 70 km auf der A6 in Mâcon das Tor zum Burgund.
Er kann das Burgund von Mâcon nach Sens (300 km) oder von Dijon nach Nevers (220 km) durchqueren, ganz nach seinem Rhythmus: über die Autobahn - oder im Gegenteil auf den malerischen Straßen flanierend, die es in der ganzen Gegend gibt.
Das Burgund, das von zahlreichen Flüssen bewässert wird (Saône, Loire, Seine, Yonne, Bourbince und andere Nebenflüsse), war, so weit man in der Geschichte zurückgehen kann, schon immer eine Gegend des Durchgangs und des Austauschs zwischen Nordeuropa und den romanischen Ländern, zwischen Mitteleuropa und dem Atlantik.
Es sei daran erinnert, dass der Durchzug der Helvetier durch das Land der Äduer (das Burgund) es war, der Julius Cäsar als Vorwand diente, um den Gallischen Krieg zu beginnen.
Neben seinem reichen Flussnetz profitiert das Burgund auch von seiner sehr günstigen geologischen Situation. Im Zentrum beherrscht das Waldmassiv des Morvan mit einem wahren Kristallhut die vier Departements der Gegend: die Departements Côte d’Or (Dijon), Yonne (Auxerre), Nièvre (Nevers) und Saône-et-Loire (Mâcon). Außerhalb des Morvan bieten sich die vorherrschenden Kalkböden für Steinmetzarbeiten wie für den namhaftesten Weinbau an; in anderen Teilen hat der Lehmboden saftige Wiesen mit hügeligen Knicklandschaften hervorgebracht, an denen sich unsere weißen Charolaise-Rinder gütlich tun.
Das Burgund lädt uns vor allem dazu ein, durch den Reichtum seines Kulturerbes dem Zeugnis der Zivilisationen, die uns vorausgegangen sind, auf die Spur zu kommen.
- Die Höhle von
Solutré wurde lange Zeit von den Jägern der Altsteinzeit benutzt. Das Museum von Solutré zeigt die aufeinanderfolgenden Etappen der prähistorischen Zeit und die Kunstwerke, die in Solutré entdeckt worden waren.
- Die
Kelten, die die Gegenden von Österreich bis zum Burgund besiedelten, hatten eine hohe Kultur, die eine heute anerkannte Kunst hervorbrachte. Das Wagen-Grab der Prinzessin von
Vix mit seinem Schmuck, seinen zahlreichen Gegenständen und seinem außergewöhnlichen Bronze-Krater, der ein Fassungsvermögen von 1.100 Litern hat, zeugen davon und sind heute der Stolz des Museums von
Châtillon-sur Seine..
Bibracte, in der prächtigen Lage des
Mont Beuvray, war die Hauptstadt der keltischen Äduer. Diese mächtige befestigte Stadt, die Julius Cäsar so beeindruckte, beherbergt heute das Museum der keltischen Zivilisation und das europäische Zentrum für archäologische Studien.
- In
Alesia besiegte Cäsar Vincingetorix im Jahre 52 vor Chr. Dieser Sieg besiegelte die endgültige Eingliederung des ganzen Territoriums Galliens in das Römische Reich. Der Ort beherbergt das Museum von Alesia, das zurzeit von bedeutenden Arbeiten profitiert, um ein ganzer historischer Komplex zu werden, der dem Ereignis entspricht.
Die heilige Reine, eine junge Märtyrin aus der Zeit des römischen Alesia, findet sich am Ursprung des Marktfleckens
Alise-Sainte-Reine, der während des Mittelalters bis zur Französischen Revolution einer der berühmtesten Wallfahrtsorte Frankreichs war (besonders beehrt von Anna von Österreich).
- Mit den Römern, den Erbauern „neuer Städte“, entfaltete sich die
galloromanische Zivilisation in
Autun (Rundfahrten Nr. 1, 2 und 3), in
Auxerre und in
Sens : Stadtmauern und befestigte Tore, Aquädukte, Brunnen und Mosaiken, Tempel und Theater haben uns heute auch Spuren der Pracht dieser antiken Städte hinterlassen.
- Danach ließen sich die
Burgunder dort nieder und gaben der Gegend ihren Namen; ihre Prinzessin vermählten sie mit dem Frankenkönig, und den Bewohnern des Burgunds vermittelten sie ihre fröhliche Lebenskunst.
- Unter Karl dem Großen und seinen Nachkommen breitet sich die
Christenheit aus, ausgehend von glänzenden kulturellen Zentren wie zum Beispiel den Abteien von
Flavigny und von St-Germain d’
Auxerre, die Vorläufer der
beiden großen mittelalterlichen Mönchsbewegungen des 11. und 12. Jahrhunderts waren, die sich ihrerseits auf das ganze Westeuropa ausdehnten:
Cluny und
Cîteaux. Diese Abteien hatten als geistliche Zentren Einfluss auf ganz Europa, aber auch als intellektuelle, künstlerische und politische Zentren ersten Ranges. So „bekleidete sich diese Erde mit einem weißen Mantel von Kirchen“, Wunderwerken der
romanischen Kunst, mit denen das Burgund so reich bedacht ist.
- Das Mittelalter ging im Burgund zu Ende mit der glitzernden Herrschaft der
großen Herzöge des Abendlandes, deren Prunk den der anderen europäischen Höfe in den Schatten stellte. Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes dehnte das Burgund seinen Einfluss auch über andere Landstriche aus: über die Gegenden Franche-Comté, Picardie, Artois, Flandern, Hainaut, Brabant, Holland und Luxemburg. Es war die Zeit der internationalen Gotik und der flämischen Künstler, die kamen, um den Hof von
Dijon zu verschönern, wie auch die Städte
Beaune und
Autun (Rundfahrten Nr. 1, 2 und 3), die Schlösser und die Kirchen.
- Mit dem Tod Karls des Kühnen war die Stunde der Eingliederung des Burgunds ins Königreich
Frankreich gekommen. Die Provinz wurde von glänzenden Statthaltern verwaltet wie zum Beispiel
dem Großen Condé, einem Cousin des Sonnenkönigs, dessen Hof in
Dijon mit dem von Versailles wetteiferte. Bis zur Französischen Revolution werden seine Nachkommen dem Hof vorstehen.
Die
Lustschlösser traten an die Stelle der Festungen: das Schloss von
Bazoches, in dem der Marschall von Vauban über 300 Befestigungen entwarf; das Schloss von
Bussy-Rabutin, in dem Cousin der Madame de Sévigné wegen seiner scherzhaften Liebesgeschichte am Hof im Exil lebte; das Schloss von
Saint-Fargeau in der Gegend Puisaye, in dem die Grande Mademoiselle ihre Intrigen spann, usw…
- Im 19. Jahrhundert hatte das Burgund einen aktiven Anteil an der
industriellen Revolution : Die Schmieden und Stahlwerke des
Kantons Creusot, die die Familie Schneider entwickelte, lieferten Stahl an die ganze Schwerindustrie für den Schienenbau, den Schiffsbau oder die Waffenherstellung.
Die Kanäle, die Straßen und das Schienennetz – der berühmte PLM – fanden größere Verbreitung und erleichterten so die Kommunikation und den Warentransport.
In dieser Zeit intensiver Aktivität lebten auch
Nicéphore Niepce, der Erfinder der Fotografie, und
Etienne Jules Marey, dem Urahn des Kinos.
Paris war während der Heizperiode abhängig von
der Flößerei der Baumstämme des Morvan.
Lamartine meditierte und engagierte sich in der Gegend von Mâcon, später wird
Romain Rolland in Clamecy und
Colette in der Gegend Puisaye berühmt werden.
Mit „Pierres & Vie“ haben Sie die Möglichkeit, durch die Teilnahme an den angebotenen Besichtigungsrundfahrten diese Zivilisationen, Epochen, Orte und Menschen wiederzuentdecken.